Geschichte

Geschichte des Evangelischen Gemeinschaftsverbands AB

Vorbemerkung: Der Evangelische Gemeinschaftsverband AB wurde ursprünglich unter dem Namen „Evangelischer Verein für innere Mission Augsburgischen Bekenntnisses“ gegründet. Meist wurde er einfach „A.B.-Verein“ genannt. Seinen neuen Namen trägt er seit dem Jahr 2012.

Im beginnenden 19. Jahrhundert war Deutschland geprägt von der geistigen Strömung der Aufklärung. Eine rein rationalistische Weltsicht bestimmte das Denken. Der Mensch und seine Vernunft wurden zum Maß aller Dinge erklärt.

Die Aufklärung erfasste auch die Theologie, in der man nun alles Übersinnliche ablehnte. Man vertrat die Meinung, dass Jesus Christus nicht Gottes Sohn, sondern nur ein guter Mensch gewesen sei. Viele Aussagen der Bibel wurden total in Zweifel gezogen oder völlig anders gedeutet.

 

Aloys Henhöfer

Im Zusammenhang mit der Badischen Revolution (1848/1849) kam es auch zu politischen Umwälzungen. Die Menschen suchten nach Orientierung und so wuchs der Hunger nach einem lebensbezogenem Glauben, der mit einem Gottesdienstbesuch am Sonntagvormittag allein nicht zu stillen war.

Da gaben der Erweckungsprediger Aloys Henhöfer (1789-1862) und andere Pfarrer in Baden den Rat, sich zusätzlich zu Bibelstunden zu versammeln. So entstanden die ersten Gemeinschaftskreise, lange bevor der Gemeinschaftsverband gegründet wurde.

Anlass für die Vereinsgründung war die große soziale und geistliche Not in Baden und darüber hinaus. Johann Hinrich Wichern (1808-1881), der Gründer des Rauhen Hauses in Hamburg, hatte überall in Deutschland für die Gründung von Vereinen der inneren Mission geworben.

Verschiedene Pfarrer und Laien haben diesen Impuls aufgenommen. Sie fassten die bereits bestehenden und die sich neu bildenden Gemeinschaftskreise zusammen, um die Beschäftigung mit der Bibel zu intensivieren. Außerdem gründeten sie Kinderschulen, um die Not der vielen verwahrlosten Kinder zu lindern.

So wurde am 24. Januar 1849 der Evangelische Verein für innere Mission Augsburgischen Bekenntnisses, kurz A.B.-Verein genannt, in Karlsruhe-Durlach gegründet.

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Es wurde erforderlich, dass zur Betreuung der Gemeinschaftskreise Prediger angestellt wurden mit der Aufgabe der Verkündigung und Seelsorge.

Den Gründern des A.B.-Vereins war es wichtig, dass die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins sich zu Jesus Christus bekennen, wie er in der Bibel und im ältesten evangelischen Bekenntnis, dem Augsburgischen Bekenntnis (Artikel 3) bezeugt wird:

„Jesus Christus, wahrer Gott und Mensch, wahrhaftig am 3. Tage von den Toten auferstanden“.

Deshalb sollte der Name dieses Bekenntnisses (Augsburgisches Bekenntnis = AB) auch im Namen des Vereins vertreten sein.

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In den folgenden Jahrzehnten konnte die Arbeit des Vereins ein beachtliches Wachstum verzeichnen. Viele Menschen schlossen sich den Bibelkreisen an oder gründeten neue Kreise. In den Sonntagsschulen wurde den Kindern die Botschaft der Bibel auf kindgerechte Art und Weise vermittelt. In der Jungmännerarbeit und der Jungfrauenarbeit wurden junge Menschen mit dem Evangelium bekannt gemacht. Vielerorts entstanden Posaunenchöre und Gemischte Chöre mit dem Ziel, durch Lieder und Musik Gott zu loben.

Eine besondere Bedeutung für die Arbeit des A.B.-Vereins hat Pfarrer Theodor Böhmerle (1870-1927) bekommen, der 1903 zum Inspektor des Vereins und dann auch zu seinem Vorstand berufen wurde. Er förderte in der ersten Zeit seines Wirkens die erwecklich – evangelistische Verkündigung in Verbindung mit missionarischer Diakonie.

Zu den Schwerpunkten seiner Tätigkeit gehörte die Berufung von Missions­schwestern für die Jungfrauenarbeit. Er förderte den Bau von Vereinshäusern und regte die Durchführung von Bibelwochen an. Im Jahr 1909 gründete er das Bibelheim „Bethanien“ als geistliches Zentrum des A.B.-Vereins.

Pfarrer Theodor Böhmerle
In den letzten Jahren seines Wirkens setzte Pfr. Böhmerle andere Akzente. Dies wurde ausgelöst durch schwere persönliche Führungen und einschneidende politische Veränderungen. Die Beschäftigung mit der Berufung der Gemeinde Jesu und des Volkes Israel sowie mit Fragen der Endzeit führte dazu, dass nun die Vertiefung der Erkenntnis und die persönliche Heiligung stark betont wurden.

Pfarrer Pfleiderer Pfarrer Beck

Pfr. Adolf Pleiderer (1867-1963) und Pfr. Wilhelm Beck (1894-1980) nahmen als Hausväter des Bibelheims „Bethanien“ in der Zeit während des 2. Weltkrieges und danach diese Gedanken auf und führten sie weiter. In dieser Zeit traten die Kinder- und Jugendarbeit sowie die erweckliche Arbeit eher in den Hintergrund.
Heute erkennt man im AB-Verband beide Schwerpunkte als Gottes Auftrag. Sowohl die erwecklich – evangelistische Arbeit als auch die Vertiefung in der Erkenntnis des Wortes Gottes und die Vorbereitung auf die Wiederkunft von Jesus Christus sind uns durch die Bibel aufgetragen.
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